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Schlagringen (SR) - Historie

Artikel zur Entwicklung des Schalgringens, geschrieben von seinem Begründer, Dietmar Berg, Jhg. 1966.

 

 

Schlagringens - die Evolution eines deutschen Nahkampf- und Selbstschutz-Systems in Wissenschaft und Praxis!

A) Grundsätzliches

Schlagringen ist ein junges, modernes Nahkampfsystem, zugleich in gewissem Sinne aber auch uralt! Man könnte vielleicht auch sagen: „Uralte Kampfkunstpraxis im modernen, wissenschaftlichen Gewande.“ Was das zu bedeuten hat, beantwortet sich im Verlauf des Textes (hoffentlich) von selbst, zumindest in den Grundzügen.

Zweck des Schlagringens, einem dem Wesen nach kompromissloses Nahkampf-System, ist primär für den regellosen Nahkampf konzipiert und dient damit natürlich auch als effektives Selbstschutz-System gegen unbewaffnete und bewaffnete Gewaltübergriffe. Sekundär zu sehen ist die optionale Möglichkeit des ambitionierten sportlichen Wettkampfes in verschiedenen Disziplinen.

Strategisch, taktisch und technisch baut Schlagringen zu großen Teilen auf Altbewährtem und Kampferprobtem aus der Antike, dem Mittelalter und natürlich auch der Moderne auf.

Die Integration evtl. neuer Kampftechniken und –taktiken (gibt es denn welche … ?), insofern sinnvoll für einen progressiven Entwicklungsprozess, versteht sich als Selbstverständlichkeit, genauso wie das interdisziplinäre Arbeiten nach wissenschaftlichen Prinzipien und Erkenntnissen.

 
B) Mittelalterliches Ringen – Antike europäische Kampfkunst – Schlgringen

Im historischen mittelalterlichen (verbotenen) Ringen fanden sich eine Menge Würfe, Hebel, Gelenkbrecher, Würger und Kontrolltechniken, wie sie heute teilweise im Ringen, Judo, Sambo Combat, Jiu Jitsu, Kung Fu u.v.a.m. zu finden sind. Fausthiebe, Fingerstiche, Fußtritte, Ellbogen- u. Knieschläge gehörten ebenso zu den Kampftechniken der mittelalterlichen europäischen Nahkampfkünste, wie auch die Unterweisung in Selbstschutztechniken gegen Messer- und Stockangriffe.

In der Antike, so lässt sich zumindest vermuten, war das Kampfniveau bei den Griechen (Boxen, Ringen, Pankration >>> Stichwort Olympia) und Römern (Boxen, Ringen, Gladiatorenwettkämpfe) im unbewaffneten und bewaffneten Nahkampf extrem hoch. Die angewandten Techniken und Taktiken würden wohl auch heutigen Ansprüchen mehr als genügen.

In Analogie zu diesen historischen Vorläufern aus Mittelalter und Antike wird im modernen deutschen Schlagringen ebenfalls das Kämpfen durch alle Distanzen mit „weichen und harten“ Techniken, im Stand- und Bodenkampf mit Schlag-, Tritt-, Wurf-, Hebel- u. Bodenkampftechniken gelehrt. Fein säuberlich wird dabei differenziert zwischen dem Repertoire, welches im sportlichen Wettkampf und dem, welches in realen Selbstschutzszenarien funktional und effektiv anwendbar ist.

 
C) „Achtung, Achtung – hier spricht der Verstand“ oder „was es im Schlagringen nicht gibt!“

Für pseudointellektuellen Krimskrams, religiös oder esoterisch angehauchte letzte Erkenntnisse, ganz große Großmeister (vorzugsweise Asiaten mit mindestens fünftausendjähriger ununterbrochener Kampfkunsttradition und tiefen Taschen …), Geheimnisvollen Energiebimsbams für einen extra harten Bumms, super Geheimtechniken, spezielle Specialforcesspezialspezialtechniken oder sonstigen Hamsdibamsdi ist im Schlagringen kein Platz.

Schlagringen ist auch keine Franchise Nummer, wo in einem „Fastfood-Instruktoren-Lehrgang“ Kampfsportler anderer Stilrichtungen umfunktioniert werden und auf einmal Kung Fu Geheimkram oder Super Militär „SchiSchiBums“ unterrichten dürfen – alles natürlich mit fetter Urkunde, gesiegelt und gestempelt und allem sonstigem PiPaPo, der so dazu gehört.

Eine Kampfkunst mit all ihrer „Persönlichkeit“ kann man sich nur in einem langjährigem Lern- und Trainingsprozess erarbeiten.

 
D) Die Evolution des Schlagringens

Unbewusste Entwicklung: Schritt für Schritt auf dem Weg zum Schlagringen.


Schlagringen stellt das Extrakt aus meiner eigenen Entwicklung als Kampfkünstler seit 1974 dar. Mit 8 Jahren begann alles mit Judo, in der zweiten Hälfte der Siebziger kam dann Ringen hinzu. Beides betrieb ich im Kindes- und Jugendalter bis in die erste Hälfte der Achtziger. Ende der Siebziger lernte ich den einzigen Menschen kennen, der mir jemals einer echter Meister war und den ich heute auch noch mit „Meister“ anrede. Dieser hervorragende Meister des Judo und Taekwondo war Renzo Balducci, der beide Kampfsportarten nicht vornehmlich als „Punktspielchen“ betrachtete, sondern immer auch schaute, was in der realen Selbstverteidigung funktioniert und wie man einen Gegner auf der Straße möglichst schnell kampfunfähig machen kann. Unter ihm trainierte ich rund zehn Jahre hauptsächlich Taekwondo. Anfang der Achtziger fing ich dann noch parallel in Wanne an bei „Unser Fritz“ unter Ralf Kallisch („danke für alles Ralf“) zu boxen. Boxen ist für mich ein fantastischer Sport, dem ich bis heute als Profitrainer treu geblieben bin. Viele Prinzipien und Taktiken des Standkampfes lassen sich im Übrigen in herausragender Weise aus dem Boxen heraus ableiten.

 In diesen Jahren, also der ersten Hälfte der Achtziger, beschäftigten sich meine Kampfsportkumpels („hallo Al, hallo Didi, danke für jeden liebevollen Schlag, Tritt und Schwitzkasten, den ich durch Euch konsumieren durfte …“) und ich außerdem intensiv mit den Ideen des Jeet Kune do, das Bruce Lee konzipiert hatte, dessen intellektuelle Leistungen auf dem Gebiet des Kämpfens wegweisend waren. Die ersten Wing Tsun Schulen tauchten in diesem Zeitraum auf, wir besuchten ein paar davon, wurden aber größtenteils enttäuscht. In dieser Phase in den Achtzigern formte sich auf jeden Fall ein erstes eigenes Gerüst für das Kämpfen durch alle Distanzen im Stand- und Bodenkampf.

1987 kam ich dann über eine Anfrage an Norbert Schiffer mit dessen Empfehlung zu Detlef Türnau und damit erhielt ich den Zugang zu erstklassigem Muay-Thai (Thaiboxen), einer Kampfkunst, die ich bis heute unterrichte und studiere. An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei Detlef Türnau für die Zusammenarbeit und viele offene Türen seit 1987 bedanken) Thaiboxen stellte für mich noch mal einen Meilenstein in meiner Entwicklung als Kampfsportler dar. 1987 fuhr ich dann mit meinen Kumpels Al und Didi erstmals ins Chakuriki nach Amsterdam, was eine weitere „Bewusstseinserweiterung“ zur Folge hatte. Meine nationalen und internationalen Favoriten in den Achtzigern und Neunzigern hießen Rob „Robby“ Kaman („Lowkicks einer Gottheit …“), „Mr. Perfect“ Ernesto Hoost, Branko Cikatic, Ingo Mertens, Gerd Roth, „Diamond“ Ramon Dekker, Gilbert Ballentime und in Deutschland sind noch „Jupp“ Yacoub (Schwergewichtsmaschine) und natürlich René Müller zu nennen. Letzterer war für lange Jahre als Weltmeister geradezu unschlagbar. Ich erinnere nur an grandiose Fights gegen Pique aus dem Chakuriki Gym unter Tom Harink oder der sensationelle Knockout gegen den „Croatian Tiger“ (Name habe ich vergessen – sei es drum …) unter Branko Cikatic.

In den Neunzigern beschäftigte ich mich dann immer wieder auch mit verschiedenen Stilrichtungen aus Kempo und Jiu Jitsu und nahm daraus auf, was mir sinnvoll und funktional erschien. Wie dem auch sei, die Kampfsportwelt entwickelte sich weiter rasant: K-1 und MMA (Freefight) setzten sich weltweit durch, wobei MMA heutzutage die Kampfsportformate dominiert. Die Gracies sorgten für Wirbel. Lange Zeit konnte man Kämpfe anscheinend nur noch am Boden entscheiden, was auch so manche Stilblüten für das praktische Selbstschutztraining hervorbrachte.

Seit Mitte der Neunziger war ich dann als Thai- und Kickbox Trainer und Lehrer für Jiu-Jitsu tätig. In dieser Zeit lernte ich meinen zukünftigen Schwiegervater Klaus-Peter Serafin kennen, einen ehemaligen DDR-Turntrainer, der erfolgreich Athleten in der DDR ausbildete und bei internationalen Wettkämpfen (Olympiaden etc.) auf höchstem sportlichem Niveau betreute. In vielen Diskussionen mit ihm wurde nochmal meine Einstellung zum Arbeiten auf Basis trainingswissenschaftlicher Erkenntnisse und Prinzipien geschärft. Aus diesem vor allem autodidaktisch geprägten Studium (Basis war der „Harre“) ging dann in der ersten Hälfte des Jahrzehnts des neuen Jahrtausends ein umfangreiches Trainerausbildungsprogramm vom C- bis zum A-Schein hervor, das vom Umfang her ungefähr mit dem zu vergleichen ist, was ein Box- oder Ringertrainer bis hin zum A-Schein zu erlernen hat. Etwas mehr als zwei Jahre war ich mit diesem Ausbildungsprogramm für die WKA offiziell als Bundeslehrwart in der Trainerausbildung zuständig und tätig.

Parallel zu meiner Tätigkeit als Bundeslehrwart fing ich dann um 2003 oder 2004 an mich aktiv mit den antiken und mittelalterlichen europäischen Kampfkünsten zu beschäftigen. Ich war einigermaßen überrascht, dass die weltweit ältesten Schriftzeugnisse mit Handlungsanweisungen für das praktische Kämpfen dem mittelalterlichen Europa entsprangen. Auch die Techniken ähnelten in Vielem dem, was ich bereits aus Asien kannte bzw. natürlich auch dem, was ich schon vom Ringen meiner Jugendzeit oder dem Boxen her kannte. Kniestöße, Ellbogenschläge, Würfe, Hebel etc. fanden sich in den alten Aufzeichnungen wieder. Leider sind diese Aufzeichnungen nicht so ausführlich, als das sich daraus komplette Kampfsysteme heraus ableiten ließen. Doch das war für mich auch gar nicht mehr nötig, denn für mich war klar: Das was sich als praktisch und sinnvoll im realen Nahkampf erweist, hat es alles schon in Europa gegeben und gibt es in Teilen noch bzw. ist und wird wieder entdeckt. Unterstützt wurde dieser Eindruck damals durch die Entwicklungen im MMA. Hier keimte erstmalig in mir der Entschluss, auf ganz seriöser und fundierter Basis ein eigenes Kampfsystem zu formulieren und zu definieren. Letzteres sollte jedoch noch viele Jahre dauern, was mit meiner Arbeit als Wettkampftrainer zusammen hing. Darauf will ich nun im nächsten Abschnitt eingehen.

Der Wettkampftrainer Dietmar Berg

Zwischen 1995 und 2001 konnten meine Athleten schon einige Erfolge verbuchen. Im Jugendbereich konnten in verschiedenen Disziplinen mehrere deutsche Meistertitel errungen werden. Mandy Serafin wurde 1996 erstmalsl deutsche Meisterin im Kickboxen, im Jahr darauf Europameisterin, 1999 wurde Sie dann in die Thaibox Nationalmannschaft (MTBD) berufen. Isa Topal wurde 1999 NRW-Meister im Thaiboxen und ebenfalls in die Nationalmannschaft (MTBD) aufgenommen. Bei den Weltmeisterschaften 2000 in Bangkok trat Mandy dann mit leider schweren Verbrennungen am Fuß im Thaiboxen an, konnte aber immerhin, trotz „offener Pelle“, noch die Bronzemedaille gewinnen. 2002 wurde Sie dann bei den WKA-Weltmeisterschaften in Marina di Massa (Italien) Vize-Weltmeisterin im Kickboxen mit Lowkicks.

2003 gab es dann ein echtes Highlight für mich als Trainer: Wir, d.h. mein Kämpfer Isa Topal und ich bekamen die Chance auf einer Gala von Markus Böck („hallo alter Freund“) gegen den Thailänder „Maair Somchay Hattrapradit“ anzutreten, der damit seinen Abschiedskampf geben wollte. Maair war zu diesem Zeitpunkt zweifellos schon ein wenig über seinen Zenit hinaus, hatte aber 2000 und 2001 alles im Lumpini und im Rajadamnern geschlagen, was sich ihm aus der Weltspitze in den Weg stellte, ohne Zweifel also ein absoluter Weltklasse Thaiboxer.

Isa war zu diesem Zeitpunkt sicherlich kein vollwertiger internationaler A-Klasse Kämpfer. Aber Isas Grundvoraussetzungen, wie extreme Härte, eine gute Genetik, die damit verbundene sehr gute Physis und seine hohe Kampfintelligenz ließen mich guter Dinge sein. Hinter vorgehaltener Hand lachten allerdings einige meiner damaligen Trainerkollegen über mich und waren der Überzeugung, dass Isa von Maair abgeschlachtet werden würde. Doch ich hielt auf Isas Potential große Stücke. Meiner Überzeugung nach sollte es also möglich sein mit entsprechendem Arbeitsaufwand Isa „konkurrenzfähig“ zu machen. Ich unterzog Maair einer ausgiebigen Analyse, woraus ein umfassender strategischer Schlachtplan mit einer ganzen Reihe taktischer Haupt- und Nebenhandlungen folgte. Jede Trainingseinheit wurde im Detail definiert und Isa zog dann auch tatsächlich 3 Monate ein echtes Profitraining voll durch und quälte sich angesichts der gefährlichen Herausforderung durch den Thai bis zum sprichwörtlichen Abkotzen – Respekt, dass hätten nicht viele durch gehalten! Gegen Ende der Vorbereitung, als Isas sportliche Form auf höchstem Niveau sich so langsam herauskristallisierte, schickte er in einem mehr als ernsthaften Abschlußsparring mit einem sensationell eingesprungenen Knie Mirko Lerch auf die Bretter. Dies machte mir große Hoffnungen, denn Mirko Lerch, ein Schüler von Ernst Skerra aus Hagen, war nicht irgendein Kämpfer, sondern zu dieser Zeit einer der absolut besten A-Klasse Kickboxer Deutschlands, der auch im internationalen Vergleich absolut konkurrenzfähig war. Tatsächlich gelang es mir so Isa in der Form seines Lebens zu präsentieren. Ein fantastischer Kampf über die vollen fünf Runden nahm seinen Lauf. Eine wirklich Superleistung von Isa! Meiner persönlichen Meinung nach hätte Isa den Kampf nach WKA Regelwerk sogar gewinnen müssen, aber auf Wunsch von Maair und Markus Böck wurde nach dem thailändischen Regelwerk gewertet, was wiederum einen knappen Punktsieg Maairs zur Folge hatte. Egal, Maair war und ist ein toller Typ, dem ich einen Sieg bei seinem Abschiedskampf von der internationalen Kampfbühne nach seiner tollen Karriere auch wirklich gegönnt habe.

Doch wofür ist dieser Kampf von Isa in einem Artikel über das Schlagringen wichtig? Er ist wichtig für die Erkenntnis, dass man mit einer wissenschaftlichen Trainingsmethodik in relativ kurzer Zeit (wir hatten drei Monate Zeit zur Wettkampfvorbereitung) ein extrem hohes Leistungslevel aus seinem Athleten heraus kitzeln kann. Dazu gehören natürlich taktische Analysen des Gegners, Feststellung des Istzustandes des eigenen Kämpfers (technisch, taktisch, physisch, psychisch), Ausarbeitung der Trainingspläne für jede einzelne Einheit nach Inhalt und Anteiligkeiten, Definition der übergeordneten Strategie und der konkreten taktischen Elemente (Distanzarbeit, Einstiegstechniken, Kontertechniken in Bezug auf gegnerische taktische Elemente usw. usw. …). Ich selber habe bei der Vorbereitung auf diesen Kampf als Trainer nochmal extrem viel gelernt und mich dadurch im Hinblick auf eine trainingswissenschaftlich fundierte Arbeitsweise entscheidend weiter entwickelt!

In der Folge konnte noch so manch ein Wettkämpfer von den Erfahrungen und Erkenntnissen dieser Wettkampfvorbereitung profitieren. Im Besonderen sind dort Gerrit Kaminski (Sanda, Muay-Thai) im Jugendbereich, Bastian Mündelein (Sanda, Kickboxen) und Erol Tuncay (K-1, Muay-Thai) bei den Männern zu nennen.

Am allermeisten durfte jedoch Nadia Raoui im Profiboxen davon profitieren. Die ehemalige internationale deutsche Meisterin im Kickboxen (WKA 2004) wurde seit Anfang des Jahrtausends von mir ausgebildet und schlug 2006 den Weg zum Profiboxen ein. In nur vier Jahren wurde sie von mir dabei von einer Kickboxerin zu einer Boxerin von Weltformat umgebaut, die nach dem Gewinn der EM und zweier WM-Titel, 2010 ihren großen Kampf gegen Susi Kentikian im ZDF hatte, wo uns der klare Sieg durch ein offensichtlich betrügerisches Fehlurteil geklaut wurde, was auch durch ZDF-Kommentator Günter Peter Ploog und die weltweite (Fach-)presse klar zum Ausdruck gebracht wurde. Einer der bittersten Tage meiner Trainerkarriere.

Die letzten Schritte, das eigene Nahkampfsystem zu entwickeln und zu definieren:

Parallel zu meiner Tätigkeit als Wettkampftrainer gab es in all den Jahren immer wieder Kontakte zu anderen Meistern verschiedener Kampfkünste, die mich bereicherten und mein Denken bzgl. des „optimalen“ Nahkampf-Systems beeinflussten. Ich möchte hier diese Meister einmal erwähnen und hoffe, dass ich niemanden vergessen habe: Thomas Holtmann (BJJ), Li Changzhong (mehrfacher Goldmedaillengewinner der Pushing Hands Wettbewerbe in China, Tai Chi), Jun Whenjun (Tai Chi, Sanda – Mannschaftstrainer Nanking, Dozent Sportuniversität Köln), Christian Kubiak (Tang Lang Kung Fu), Phillip Bayer (Ving Tsun), Erich Albrecht (Judo u. Quinna), Ben Stumpf (Kempo Jiu Jitsu), Mr. Ma (Ma Zhoutong – Choreograph von „Tiger and Dragon“, Nahkampf- und Sandaspezialist). Die Reihenfolge ist rein willkürlich, so wie sie mir in Sinn gekommen ist, hat also nichts mit einer persönlichen Wertung zu tun. Mit dem einen habe ich dabei enger gearbeitet, mit dem anderen weniger eng. Sei es drum, bei jedem konnte ich nach mehr oder weniger intensiven Diskussionen oder Trainingseinheiten etwas Wertvolles für mich mitnehmen.

Mit all diesen Erfahrungen als Wettkampftrainer, als Ausbilder für Schüler und Trainer, den theoretischen und praktischen Betrachtungen zu diversen asiatischen Kampfkünsten und dem Studium der eigenen europäischen Kampfkunstvergangenheit seit der Antike und den Schriftzeugnissen des Mittelalters, stellte ich seit Anfang 2011 nochmals alle Erkenntnisse bzgl. Strategien, Taktiken und Techniken auf den Prüfstand. In der Folge definierte ich erneut und höchst präzise die aus meiner Sicht grundlegenden strategisch-taktischen Verfahrensweisen des Kämpfens, sowie ein Technikrepertoire, welches fein säuberlich zwischen Kampftechniken für den sportlichen Wettkampf und straßentauglichen Techniken für den regellosen (Duell-)kampf und spontan entstehende Selbstverteidigungssituationen unterscheidet. Naturgemäß gibt es hier wesentliche Schnittmengen, was wiederum für die praktische Trainingsarbeit entscheidende Bedeutung hat.

Am Ende dieses schöpferischen Prozesses stand dann das Schlagringen, ein neues deutsches Nahkampf-System!

 
E) Verschiedene Kampf(kunst)systeme >>> ja, nein, warum, was, hmmm?


Wenn vor fünf-, zehn- oder auch zwanzigtausend Jahren zwei Typen sich an die Köppe bekommen haben, dann waren die „Glocken“ des Mannes schon immer an der gleichen Stelle montiert. Wir können wohl annehmen, dass dies eine nicht allzu gewagte Behauptung ist. Und seit urewigen Zeiten bekriegen sich die Menschen mit und ohne Waffen, aber ein Vollschuss in die „Glocken“ hat zu allen Zeiten überall auf unserem Planeten auf die gleiche Weise gewirkt:

Fuß trifft Glocken – Mann fällt um!

Zu Zeiten Arminius hat man diese Kampfkunst wahrscheinlich „Westfälisches Eiertreten“ genannt. ;)

Kommen wir zurück zu unserer trivialen Erkenntnis, dass Eiertreten seit Urewigkeiten einen hohen Wirkungsgrad aufweist und überall auf dem Planeten erfolgreich praktiziert wurde und wird und transportieren dies auf andere Techniken der Kampfkünste und versuchen vor dem Hintergrund des modernen Informationszeitalters(!) drei elementare Schlussfolgerungen zu ziehen:

 1. Es gibt heutzutage keinerlei unbekannte Nahkampftechniken mehr, die nicht auf diesem Planeten, praktisch an jedem Ort der modernen Welt nachvollzogen werden könnten.


 2. Für den Praktizierenden, der eine Nahkampfkunst (unabhängig von seiner Intention) erlernen will, ist es aus rein praktischer Sicht vollkommen wurscht, wie ein Kampfsystem sich nennt und in welcher Sprache er eine Technik erlernt: Ein „westfälischer Eiertritt“ bleibt ein Schuß in die Glocken, egal ob im Kung Fu auf Chinesisch, im Krav Maga auf Israelisch, im Karate auf Japanisch oder auf Koreanisch im Taekwondo oder in welcher Sprache und welcher Kampfkunst auch immer. Dies gilt natürlich in Analogie für alle Kampftechniken!


3. Will ein Mensch gute Kampftechniken zum Selbstschutz erlernen, dann kann ihm der Name der dahinterstehenden Kampfkunst egal sein, einzig die vermittelten Inhalte und deren prozentuale Anteile bezogen auf den Trainingsumfang sind wichtig!

Fazit des Abschnitts:

Menschen kämpfen (sportlicher Wettkampf, regelloser Duellkampf, Selbstschutz-Szenarien, Krieg usw.) seit Urewigkeiten miteinander und so sind halt auch die entsprechenden Kampftechniken / -systeme regional in unterschiedlichen Sprachen entstanden.

Doch das, was tatsächlich funktioniert, was also an effektiven und praktisch umsetzbaren Techniken überbleibt, ist im realistischen Nahkampf nicht unendlich variabel und ähnelt sich daher in gewissem Umfang überall auf diesem Planeten. Erst recht im modernen Informationszeitalter.

 
F) Schlagringen – Abschließende Bemerkungen

Schlagringen ist also ein modernes deutsches Nahkampf-System, die sich kampferprobter Techniken und Taktiken aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit bedient. Ziel ist das Erlernen von Fähigkeiten für das erfolgreiche Bestehen in potentiellen und konkreten Selbstschutz- und (ggf. sportlichen) Duellkampfsituationen.

Die „Persönlichkeit“ des Schlagringens entwickelt sich dabei aus den im System implementierten strategisch-taktischen Analyseverfahren und Verfahrensweisen, die wiederum zu extrem direkten und zielgerichteten Lösungen im konkreten Duellkampf und Selbstschutz führen.

„Kraftloser Schnörkelkram“ oder plumpe Ansätze wie „rohe Kraft und Gewalt als Ultima Ratio“ sind nicht unser Ding. Unsere Lösungen sind zwar immer möglichst direkt und auch mit „Pfeffer“ ausgeführt, haben aber meistenteils einen eleganten, manchmal überraschenden, aber immer smarten Charakter.

 

 
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